Wie alles begann

Im Mai 2010, als wir wieder mal frustriert von einer Besichtigung nach Hause kamen, unterhielten wir uns nicht nur über das gerade gesehene Objekt, sondern auch mal wieder über das augenscheinlich seit Jahren frei stehende und ältere Haus auf der anderen Straßenseite.

Wie cool wäre es in dieser schönen Lage, mit vertrauter Umgebung wohnen bleiben zu können?

Nach Gesprächen mit Bekannten im Bürgerbüro und im Bauamt stellte sich heraus, dass da noch jemand wohnte. Jedenfalls wurde regelmäßig die Post abgeholt. Einige Tage später warfen wir einen Brief mit Kaufinteresse in den mehr als maroden Briefkasten.

Nur ein paar Tage später klingelte das Telefon und eine ältere Dame meldete sich. „Ich wohne noch hier, aber sie haben Glück, ich habe mich in der Tat entschieden, das Haus zu verkaufen.“

Wir verabredeten für den 29.05.2010 einen Besichtigungstermin. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Zeitreise durch die späten 60er Jahre. Allein das Arbeitszimmer ihres vor 17 Jahren verstorbenen Mannes wirkte so, als ob Helmut Schmidt jede Minute hereinspazieren und zu einem Fotoshooting für den „stern“ platz nehmen wollte. Der ca. 7 Zoll große Loewe Röhren-Fernseher – schon in Farbe, wie sie versicherte – sowie ein altes Emaille Spülbecken in der Küche und ein original Bosch Kühlschrank im Keller rundeten die Zeitreise ab.

Schon nach dem ersten Rundgang hatte ich mich verliebt. Endlich verstand ich die Worte meiner Schwiegermutter, die immer wieder betonte: „Du kommst rein und weißt sofort, ob es das Richtige ist oder nicht.“ Dieses Gefühl hatte ich in den ganzen Jahren Haus-Suche nicht einmal erlebt.

Nach der Besichtigung setzten wir uns mit der älteren Dame zusammen und besprachen das Geschäftliche. Als sie begann mit: „Ich habe vor einigen Monaten das Haus schätzen lassen“, schauten wir uns an und mussten schlucken. Doch als sie uns ihre Preisvorstellungen mitteilte, stellte sich ein Lächeln ein, welches in ein breites Grinsen umschlug, als wir das Grundstück wieder verlassen hatten. Sollten wir wirklich ein Haus gefunden haben, was uns nicht nur gefiehl, sondern auch finanziell tragbar war?

Als wir wieder zu Hause waren, riefen wir direkt ein paar Freunde & Bekannte mit handwerklichem Know-How an, die uns zu einem zweiten Besichtigungstermin begleiten sollten. Schließlich wollten wir schnellstmöglich wissen, ob das modernisierungsbedürftige Haus genügend Grundlage besaß. Man will sich natürlich mit den baulichen Maßnahmen nicht total übernehmen.

Leider konnte so kurzfristig niemand und unsere Eltern waren im Urlaub. Glücklicherweise sagte spontan ein Bekannter, der sich selbst vor ein paar Jahren ein Haus gekauft und wieder aufgebaut hatte, zu.

Ihm gefiel das Haus ebenfalls auf Anhieb, nicht nur aufgrund der tollen Aufteilung und das man einiges daraus machen konnte. Über die Modernisierung der Fenster, Elektrik und Heizung waren wir uns einig, lediglich ein breiter Riss im Badezimmer beunruhigte ihn ein wenig. Wahrscheinlich nur ein Setzriss des Hauses, der in den letzten 50 Jahren nicht repariert, sondern immer nur überstrichen wurde. Er empfahl uns einen seiner Bekannte – einen Architekten – anzurufen und sich das mal genauer anzuschauen. Außerdem hatte er eine Menge nützlicher Kontakte zu Handwerkern, die uns beim Umbau behilflich sein könnten.

Allen voran emfahl er uns einen Finanzberater, da wir uns immer noch nicht 100%ig sicher waren, ob unsere finanziellen Mittel für Haus plus Umbau reichten.

Der erste Beratertermin verlief noch ziemlich chaotisch, weil wir unsere Unterlagen nicht wirklich gut aufbereitet vorlegen konnten. So musste er sich erst mühsam durch Versicherungspolicen, Kontoauszüge und Gehaltsabrechnungen/Steuererklärungen kämpfen, ehe er sich ein erstes Urteil über unsere Kreditwürdigkeit bilden konnte. Nach einigen Stunden Rechnerei gab er die mündliche Zusage, dass wir uns die Immobilie „leisten“  können und einem Kredit nichts im Wege stehen sollte.

Nachdem dies geklärt war, wurde von ihm ein Finanzierungsplan auf die Beine gestellt und das passende Kreditinstitut für das Darlehen gesucht. Parallel konnten wir der Verkäuferin unsere endgültige Zusage zum Hauskauf geben.

Die Bank, über welche die Finanzierung laufen sollte war aufgrund der Rahmenbedingungen recht schnell gefunden und die erforderlichen Unterlagen wurden eingereicht. Zeit also,  einen Notartermin anzusetzen.

Und genau an dieser Stelle beginnt dieser Blog…